Recently I was visited by a very good friend who had just returned from a long walk in the woods, and I asked her what she had observed. 'Nothing in particular,' she replied. I might have been incredulous had I not been accustomed to such responses, for long ago I became convinced that the seeing see little.

How was it possible, I asked myself, to walk for an hour through the woods and see nothing worthy of note? I who cannot see find hundreds of things to interest me through mere touch. I feel the delicate symmetry of a leaf. I pass my hands lovingly about the smooth skin of a silver birch, or the rough, shaggy bark of a pine. In spring I touch the branches of trees hopefully in search of a bud, the first sign of awakening Nature after her winter's sleep. I feel the delightful, velvety texture of a flower, and discover its remarkable convolutions; and something of the miracle of Nature is revealed to me.

-Helen Keller, Three Days to See (1933)
NB: Helen Keller was deaf-blind.

Wednesday, January 23, 2008

Gedanken zu Weizsäckers Rede zum 8. Mai 1985: Schuld und Vergebung

Letztes Semester habe ich einen Kurs über das U.S. amerikanische Gefängnissystem genommen. Als Kanadier war das Interessanteste der Klasse, die Meinungen meiner U.S. amerikanischen Kollegen über Gerechtigkeit lernen zu können. Ich war wirklich erstaunt darüber, wie strafend die Meisten waren. Natürlich tauchen diese Einstellungen nicht aus dem Nichts auf: sie haben ihre Ursache in der Geschichte des Landes.

Im Vergleich mit den U.S.A. hat Deutschland eine ganz andere Geschichte, deswegen ist es keine Überraschung, dass die Einkerkerungsrate fast 10 mal niedriger als in den U.S.A. ist. In der Weizsäcker Rede zum 8. Mai 1985 war ich am meisten beeindruckt von Weizsäckers hoch entwickeltem Verstehen der Bedeutung des Zweiten Weltkrieges für das deutsche Volk, besonders die Schuld, Verantwortlichkeit und Schicksale betreffend.

In der Einleitung der Rede erklärt Weizsäcker, dass, obwohl das Ende des Zweiten Weltkrieges erscheint für die Teilung Deutschlands schuldig zu sein, der Anfang des Krieges dafür verantwortlich ist. Danach kann er beitragen, dass der 8. Mai ja „ein Tage der Befreiung“ war. Trotzdem, wegen des Fehlens der Vollfreiheit für Ostdeutsche, ist der 8. Mai noch kein Tag zum Feiern für Deutsche.

Aber wie ist es dann mit den deutschen Soldaten? Sind sie denn an der Teilung – und so viele andere schreckliche Folgen des Krieges – schuldig? Weizsäcker erklärt die Sache so:
„Die meisten Deutschen hatten geglaubt, für die gute Sache des eigenen Landes zu kämpfen und zu leiden. Und nun sollte sich herausstellen: Das alles war nicht nur vergeblich und sinnlos, sondern es hatte den unmenschlichen Zielen einer verbrecherischen Führung gedient.“

Während der Rede setzt er dem Leser auseinander, dass alle, die mit den Nazis gekämpft haben, unmenschliche Leiden begangen haben und wir sie verantwortlich dafür machen sollen. Jedoch, in Anlehnung an Anne Frank, sichert er dem deutschen Volk zu, dass diese vielen Deutsche nicht übel gesinnt waren und ihnen vergeben werden kann und soll.

Außerdem „ist [Schuld], wie Unschuld, nicht kollektiv, sondern persönlich.“ Daher muss man dem deutschen Volk eben nicht vergeben, sondern nur den verwickelten Personen. Wenn die meisten Deutschen gleicher Meinung mit Weizsäcker über diese Sachen sind, dann wären sie ganz geduldig, rational und versöhnlich. Vielleicht wäre die post-Zweiten-Weltkriegserfahrung sogar stark genug, um die typische Gepflogenheit, 'Kriminelle' wegen eines Ereignisses abzustempeln, zu beseitigen.

Das wäre wirklich eine schöne Folge des Krieges und ich hoffe, dass es wahr ist, aber in Wahrheit weiß ich nicht wie viele dieser Meinung sind. Mindestens war es eine wichtige Tendenz als Weizsäcker diese Rede gehalten hat.

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