Recently I was visited by a very good friend who had just returned from a long walk in the woods, and I asked her what she had observed. 'Nothing in particular,' she replied. I might have been incredulous had I not been accustomed to such responses, for long ago I became convinced that the seeing see little.

How was it possible, I asked myself, to walk for an hour through the woods and see nothing worthy of note? I who cannot see find hundreds of things to interest me through mere touch. I feel the delicate symmetry of a leaf. I pass my hands lovingly about the smooth skin of a silver birch, or the rough, shaggy bark of a pine. In spring I touch the branches of trees hopefully in search of a bud, the first sign of awakening Nature after her winter's sleep. I feel the delightful, velvety texture of a flower, and discover its remarkable convolutions; and something of the miracle of Nature is revealed to me.

-Helen Keller, Three Days to See (1933)
NB: Helen Keller was deaf-blind.

Wednesday, February 6, 2008

Gedanken zu Schlinks Der Vorleser: Warum beschuldigen?

In seiner Rede zum 8. Mai 1985 schlägt Weizsäcker vor, dass Schuld als etwas Persönliches und nicht Kollektives gesehen werden sollte. Er gibt aber wenige Gründe dafür. Mir hat Bernard Schlinks Der Vorleser die Sache gut erklärt. Die Geschichte zeigt – neben vielen anderem – wie viele Ursachen jede Handlung hat. Wenn man Schuld als etwas Kollektives sieht, dann überseht man alle die persönlichen Faktoren und malt ein befangenes Bild der Täter – ein Bild, das die Vergebung verhindert – und Schlinks Geschichte nach ist das unergiebig.

Wie gesagt zeigt Der Vorleser die Komplexität jeder Handlung oder Straftat und durch die Geschichte sehen wir, dass je mehr man versteht, dass jemand ein Straftat begeht, nicht weil er einfach böse ist, desto besser kann man vergeben. Michael war wahrscheinlich nicht der beste Vater oder Mann – er hat seine Tochter ins Internat gehen lassen und dachte immer noch an Hannah, als er sich entscheidet, zu heiraten – aber war er schuldig für die schlechten Erfahrungen, die ihn gedrängt haben? Hätte er als 15-jähriger vorhersehen können sollen, dass seine Beziehung mit Hannah ungesund sein würde?

Oder hat der Vater Schuld dafür, weil er sich anscheinend nicht viel um seine Kinder kümmerte? Hätte die Mutter bemerken sollen, dass etwas mit ihrem Kind los war? Ich deute nicht darauf hin, dass niemand selbst schuldig für etwas sein kann, sondern, dass wegen der vielen verschiedenen die Straftat beeinflussenden Faktoren, man nie sagen kann, dass eine Person völlig schlimm ist und Vergeben nie verdienen wird.

Ein anderes Beispiel, in dem Schlink zeigt, wie kompliziert man zu einer Handlung kommt, sind Michaels Gedanken über den Unterschied zwischen Denken, Entscheiden und Handeln. Die Meldung dieses Teils ist klar: man kann sich gegen etwas entscheiden, aber die Sache noch tun; das heißt, Straftäter sind nicht schlimme Personen. Die gleiche Moral ist auch klar in der guten Tat, die Hannah am Ende ihres Lebens tun will.

Schließlich hatte ich im letzten Kapitel das Gefühl, dass Michael eine bessere Person geworden war – für sich und für andere – nachdem er sich seine Schuldgefühle entladen hat. Deswegen könnte man sagen, dass in diesem Fall, wenn jemand Michael noch für schuldig halten würde, wäre das unproduktiv und vielleicht sogar schädlich für alle.

In Kürze geht es im Der Vorleser viel um die Frage der Schuld. Die Geschichte zeigt, wie viele Sachen einen zum Handeln bringen und was die Auswirkungen der Verteilung und Schuldgefühle sein können.

No comments: